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Grundlagen

Was ist eine IP-Kamera?

Eine IP-Kamera überträgt digitales Video über ein Netzwerk. Hier erfahren Sie, wie das funktioniert, worin sie sich von analogen Kameras und Webcams unterscheidet und welche Rolle PoE, ONVIF, RTSP und NVR spielen.

Von der Redaktion · Aktualisiert am · 9 Min. Lesezeit

Kurz erklärt: Eine IP-Kamera ist eine digitale Kamera, die ihr Videobild selbst verarbeitet und über ein Computernetzwerk bereitstellt. Die Übertragung erfolgt in der Regel per Ethernet oder WLAN. Aufzeichnen kann anschließend zum Beispiel ein Windows-PC, ein NVR, ein NAS, die Kamera selbst oder ein Cloud-Dienst.

Wie arbeitet eine IP-Kamera?

Eine IP-Kamera ist im Grunde ein kleiner Netzwerkcomputer mit Bildsensor. Sie nimmt das Kamerabild auf, verarbeitet es im Gerät und komprimiert das Video meist mit einem Codec wie H.264 oder H.265. Danach stellt sie einen oder mehrere Videostreams im lokalen Netzwerk zur Verfügung.

Im Netzwerk erhält die Kamera eine eigene IP-Adresse. Eine Videoüberwachungssoftware, ein NVR oder eine App verbindet sich mit dieser Adresse, meldet sich bei Bedarf mit Benutzername und Passwort an und ruft den Videostream ab. Was danach mit dem Bild passiert, bestimmt die jeweilige Software: Livebild anzeigen, auf Festplatte speichern, Bewegung auswerten, Benachrichtigungen senden oder einen Fernzugriff anbieten.

Der Begriff IP steht für Internet Protocol. Das heißt nicht, dass die Kamera zwingend mit dem Internet verbunden sein muss. Eine IP-Kamera kann vollständig im lokalen Netzwerk arbeiten. Kamera und Aufzeichnungs-PC kommunizieren dann über Router oder Switch miteinander, ohne dass das Videobild eine Cloud oder das öffentliche Internet durchlaufen muss.

IP-Kamera und analoge CCTV-Kamera im Vergleich

MerkmalIP-KameraAnaloge CCTV-Kamera
VideosignalDigitaler Datenstrom im NetzwerkAnaloges Videosignal zum Rekorder
VerkabelungEthernet oder WLANJe nach System meist Koaxialkabel/BNC
NetzwerkadresseEigene IP-AdresseNormalerweise kein eigenständiges IP-Gerät
AufzeichnungPC-Software, NVR, NAS, Speicherkarte oder CloudDVR oder kompatibler Hybridrekorder
StromversorgungNetzteil, Akku oder PoE – je nach ModellMeist separate Stromversorgung

Welche Technik sinnvoller ist, hängt von der vorhandenen Installation ab. Wer bereits Koaxialkabel verlegt hat, kann mit einem analogen oder hybriden System gut weiterarbeiten. IP-Kameras sind dagegen besonders flexibel, wenn mehrere Standorte im Netzwerk, PoE, hohe Auflösungen, PC-Aufzeichnung oder Kameras verschiedener Hersteller eine Rolle spielen.

Was unterscheidet eine IP-Kamera von einer Webcam?

Eine klassische Webcam steckt direkt per USB im Computer oder ist bereits im Notebook eingebaut. Eine IP-Kamera arbeitet dagegen unabhängig vom PC und hängt im Netzwerk. Dadurch kann sie an einem ganz anderen Ort montiert werden – etwa am Hauseingang, in der Garage oder in einem Büro – solange eine zuverlässige Netzwerkverbindung vorhanden ist.

Für einen einzelnen Raum oder einen provisorischen Aufbau kann eine vorhandene Webcam völlig ausreichen. Sobald mehrere Bereiche überwacht werden sollen oder längere Kabelwege entstehen, sind IP-Kameras meist praktischer. Security Eye kann beide Arten gemeinsam verwenden, sodass sich beispielsweise zwei Netzwerkkameras und eine USB-Webcam in derselben Windows-Installation anzeigen und aufzeichnen lassen.

Wichtige Begriffe bei IP-Kameras

PoE

Power over Ethernet überträgt Netzwerkdaten und Strom über dasselbe Ethernet-Kabel. Voraussetzung ist, dass Kamera und PoE-Switch beziehungsweise PoE-Injektor einen zueinander passenden Standard unterstützen. Gerade bei fest montierten Kameras spart PoE oft ein zusätzliches Netzteil am Montageort.

ONVIF

ONVIF ist ein Industriestandard für die Zusammenarbeit von IP-basierten Sicherheitsgeräten und Software. Programme können ONVIF zum Beispiel nutzen, um Kameras im Netzwerk zu erkennen oder standardisierte Funktionen anzusprechen. Wichtig ist jedoch das jeweilige Profil: Ein bloßes „ONVIF-kompatibel“ bedeutet nicht automatisch, dass jede Funktion mit jeder Software funktioniert. Details finden Sie bei den ONVIF-Profilen und in unserem Artikel ONVIF vs. RTSP.

RTSP

RTSP wird häufig verwendet, um einen Videostream von der Kamera abzurufen. Viele Kameras stellen getrennte Adressen für Hauptstream und Substream bereit. Der genaue RTSP-Pfad, Kanal und die Anmeldedaten unterscheiden sich je nach Hersteller und Modell. Deshalb ist eine RTSP-URL aus irgendeiner Anleitung im Internet nicht automatisch für die eigene Kamera geeignet.

NVR und VMS

Ein NVR (Network Video Recorder) empfängt Netzwerkstreams und zeichnet sie auf. Ein VMS ist eine Video-Management-Software. Eine Windows-Anwendung wie Security Eye übernimmt viele Aufgaben, die man sonst von einem NVR kennt: Livebilder anzeigen, Video speichern, Bewegung erkennen, Zeitpläne ausführen und einen Browserzugriff bereitstellen.

Speichert eine IP-Kamera das Video selbst?

Das kommt auf das Modell an. Manche Kameras besitzen einen microSD-Steckplatz, andere können auf ein NAS schreiben oder mit der Cloud des Herstellers arbeiten. Häufig wird das Video auch von einem NVR oder von Software auf einem PC aufgezeichnet. Einige Modelle unterstützen mehrere dieser Möglichkeiten gleichzeitig.

Bei der Aufzeichnung auf einem Windows-PC sendet die Kamera ihren Videostream über das lokale Netzwerk. Die Überwachungssoftware empfängt ihn und speichert die Aufnahmen auf der Festplatte. Für kleine Anlagen kann das eine praktische Alternative zu einem separaten Hardware-Rekorder sein, wenn ohnehin ein PC vorhanden ist, der während der gewünschten Überwachungszeiten laufen kann.

Wie viel Speicher benötigt wird, hängt vor allem von Bitrate, Aufzeichnungsdauer und Anzahl der Kameras ab. Die reine Bezeichnung „1080p“ oder „4K“ reicht für eine verlässliche Planung nicht aus. Beispiele und Formeln finden Sie im Ratgeber Wie viel Speicher brauchen Überwachungskameras?.

Braucht eine IP-Kamera eine Internetverbindung?

Für das Livebild im lokalen Netzwerk und für eine lokale Aufzeichnung normalerweise nicht. Solange Kamera und Aufzeichnungsgerät miteinander kommunizieren können, kann die Anlage auch ohne Internet funktionieren. Eine Internetverbindung wird erst dann wichtig, wenn Sie Cloud-Speicher, Herstellerdienste, externe Benachrichtigungen oder einen Zugriff von unterwegs nutzen möchten.

Aus Sicherheitsgründen ist es sogar sinnvoll, nur die Dienste nach außen freizugeben, die tatsächlich gebraucht werden. Für Fernzugriff sollten Sie starke, individuelle Passwörter verwenden, Kamera und Software aktuell halten und Verwaltungsoberflächen nicht unnötig direkt aus dem Internet erreichbar machen.

Worauf sollte man beim Kauf einer IP-Kamera achten?

Kann Security Eye mit IP-Kameras arbeiten?

Ja. Security Eye ist eine Windows-Software für die Überwachung von IP-Kameras und Webcams. Unterstützte Kameras lassen sich über UPnP/ONVIF finden oder über einen passenden RTSP-Stream anbinden. Anschließend können Sie unter anderem aufzeichnen, Bewegung erkennen, Zeitpläne verwenden und Web Access einrichten.

Ob eine konkrete Kamera vollständig funktioniert, hängt trotzdem vom Modell, dem angebotenen Stream und der Konfiguration ab. Für eine wichtige Installation sollten Sie deshalb immer die Testversion verwenden und die Kamera mit Connect & Test prüfen, bevor Sie sich auf ein bestimmtes Modell festlegen.

Security Eye mit den eigenen Kameras ausprobieren

Security Eye ist eine Videoüberwachungssoftware für Windows. Sie unterstützt IP-Kameras und Webcams, Videoaufzeichnung, Bewegungserkennung, Zeitpläne, Benachrichtigungen und den Zugriff per Browser.