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ONVIF vs. RTSP bei Überwachungskameras: Was ist der Unterschied?

ONVIF und RTSP werden bei IP-Kameras oft in einem Atemzug genannt, sind aber nicht dasselbe. Das eine hilft bei standardisierter Zusammenarbeit, das andere beim Videostreaming.

Von der Redaktion · Aktualisiert am · 8 Min. Lesezeit

Wer IP-Kameras mit Software von Drittanbietern verbinden möchte, stößt fast zwangsläufig auf die Begriffe ONVIF und RTSP. Sie werden manchmal so dargestellt, als müsste man sich für eines von beiden entscheiden. Das ist nicht richtig: ONVIF und RTSP erfüllen unterschiedliche Aufgaben und werden in vielen Systemen sogar gemeinsam genutzt.

Vereinfacht gesagt hilft ONVIF dabei, Kameras und Software miteinander kompatibel zu machen und Funktionen standardisiert zu beschreiben. RTSP kümmert sich dagegen um den Aufbau und die Steuerung einer Streaming-Sitzung. Eine Software kann eine Kamera also über ONVIF finden und anschließend den Videostream per RTSP abrufen.

ONVIFRTSP
HauptaufgabeStandardisierte Zusammenarbeit zwischen IP-Sicherheitsgeräten und Clientsoftware.Aufbau und Steuerung einer Audio-/Video-Streaming-Sitzung.
Typische VerwendungGerätesuche, Medienprofile, Konfiguration, PTZ und Ereignisfunktionen – je nach Profil.Videostream über eine bekannte Stream-Adresse abrufen.
Legt den Videocodec fest?ONVIF-Profile definieren Funktionsgruppen und können bestimmte Medienanforderungen enthalten.Nein. RTSP steuert die Sitzung; der Stream kann beispielsweise H.264 oder H.265 enthalten.
Können beide zusammenarbeiten?Ja. ONVIF kann unter anderem die Stream-URI bereitstellen; der eigentliche Stream wird anschließend häufig per RTSP geöffnet.

Was genau macht ONVIF?

ONVIF ist eine Standardisierungsinitiative für IP-basierte Sicherheitsprodukte. Ziel ist, dass Kameras, Rekorder und Software verschiedener Hersteller nicht für jede Kombination eine komplett eigene Integrationslösung benötigen.

Die sogenannten ONVIF-Profile beschreiben bestimmte Funktionspakete. Profile T ist beispielsweise auf modernes Videostreaming ausgerichtet und kann – abhängig von Gerät und Client – H.264/H.265, Bildeinstellungen, Ereignisse, Metadaten und weitere Funktionen umfassen.

In der Praxis hilft ONVIF einer Überwachungssoftware vor allem dabei, eine Kamera zu finden und ihre verfügbaren Funktionen strukturiert abzufragen. Security Eye kann im Assistenten nach UPnP- und ONVIF-Geräten suchen und dadurch einen Teil der manuellen Einrichtung sparen.

Was macht RTSP?

RTSP steht für Real Time Streaming Protocol. Das Protokoll wird verwendet, um eine Streaming-Sitzung aufzubauen und zu steuern. Eine IP-Kamera stellt dazu häufig eine RTSP-Adresse bereit, über die ein kompatibler Client den gewünschten Videostream öffnen kann.

RTSP ist jedoch kein vollständiger Standard für Kameraerkennung oder Gerätekonfiguration. Es hilft Ihnen beim Zugriff auf den Medienstream, sobald Sie wissen, unter welcher Adresse er erreichbar ist und wie die Anmeldung funktioniert.

Security Eye unterstützt RTSP bei IP-Kameras seit Version 3.4. Wenn eine Kamera nicht automatisch erkannt wird, kann eine manuell eingetragene RTSP-Adresse – sofern das Modell einen kompatiblen Stream bereitstellt – eine gute Alternative sein.

Wie arbeiten ONVIF und RTSP zusammen?

Das Zusammenspiel lässt sich gut an typischen ONVIF-Mediendiensten erklären: Ein Client fragt bei der Kamera verfügbare Medienprofile und eine passende Stream-Adresse ab. Anschließend wird der ausgewählte Videostream über RTSP geöffnet.

Statt „ONVIF oder RTSP?“ sind daher diese Fragen hilfreicher:

Was bedeutet das Ende von ONVIF Profile S?

ONVIF hat angekündigt, die Unterstützung für Profile S zum 31. März 2027 einzustellen und empfiehlt für neue Produkte Profile T. Vorhandene Profile-S-Kameras hören dadurch nicht plötzlich auf zu funktionieren. Die Änderung betrifft vor allem die zukünftige Weiterentwicklung und Zertifizierung.

Als Grund nennt ONVIF unter anderem, dass die bei Profile S verpflichtende Username-Token-Authentifizierung nicht mehr den heutigen Empfehlungen zur Cybersicherheit entspricht. Wer 2026 oder später neue Hardware auswählt, sollte daher auf aktuelle Profile und moderne Sicherheitsfunktionen achten, statt sich nur auf ein altes „ONVIF“-Logo zu verlassen. Mehr dazu in den offiziellen Informationen zu Profile S und Profile T.

Wann sollte ich zuerst die automatische ONVIF-Erkennung versuchen?

Die automatische Suche ist sinnvoll, wenn Kamera und Windows-PC im selben lokalen Netzwerk liegen, ONVIF in der Kamera aktiviert ist und keine Netzwerkisolation die Erkennung blockiert.

In Security Eye wählen Sie die gefundene Kamera aus, geben die Zugangsdaten ein und führen Connect & Test aus. Eine ausführliche Schrittfolge finden Sie unter IP-Kamera in Security Eye hinzufügen.

Wann ist eine direkte RTSP-Verbindung hilfreich?

Kopieren Sie keine RTSP-Adresse eines ähnlichen Kameramodells auf Verdacht. Hersteller verwenden unterschiedliche Pfade, Kanalnummern, Streamnamen und Authentifizierungsvarianten. Maßgeblich ist die Dokumentation für Ihr genaues Modell und den verwendeten Firmwarestand.

Checkliste bei Kompatibilitätsproblemen

Fazit: ONVIF und RTSP sind keine Gegenspieler

ONVIF ist die breitere Ebene für Interoperabilität und Gerätefunktionen; RTSP ist ein Protokoll für die Streaming-Sitzung. In vielen Installationen ergänzen sich beide. In Security Eye lohnt sich zunächst die automatische ONVIF/UPnP-Suche. Wenn sie nicht zum Ziel führt, verwenden Sie die vom Kamerahersteller dokumentierten Daten und prüfen den Stream mit Connect & Test.

Security Eye mit den eigenen Kameras ausprobieren

Security Eye ist eine Videoüberwachungssoftware für Windows. Sie unterstützt IP-Kameras und Webcams, Videoaufzeichnung, Bewegungserkennung, Zeitpläne, Benachrichtigungen und den Zugriff per Browser.