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Speicher

Wie viel Speicher brauchen Überwachungskameras?

Für die Festplattengröße ist nicht allein die Auflösung entscheidend. Bitrate, Kamerazahl, tägliche Aufnahmezeit und gewünschte Aufbewahrungsdauer bestimmen den tatsächlichen Speicherbedarf.

Von der Redaktion · Aktualisiert am · 11 Min. Lesezeit

Kurz erklärt: Bei einer Daueraufnahme erzeugt eine durchschnittliche Videobitrate von 1 Mbit/s ungefähr 10,8 GB Daten pro Tag und Kamera. Für eine erste Planung können Sie daher Bitrate × 10,8 × Kamerazahl × Aufbewahrungstage rechnen und anschließend eine Sicherheitsreserve einplanen.

Die einfache Formel für den Speicherbedarf

Für kontinuierlich aufgezeichnetes Video eignet sich folgende Näherung:

Speicher (GB) ≈ Bitrate (Mbit/s) × 10,8 × Anzahl der Kameras × Tage.

Die Zahl 10,8 ergibt sich aus der Umrechnung von Megabit pro Sekunde in Bytes über 86.400 Sekunden eines Tages. Gerechnet wird dabei mit dezimalen Gigabyte.

Beispiel: Vier Kameras laufen durchschnittlich mit jeweils 4 Mbit/s und sollen 30 Tage lang kontinuierlich aufgezeichnet werden:

4 × 10,8 × 4 × 30 ≈ 5.184 GB, also rund 5,2 TB reine Videodaten. Für Dateisystem, Schwankungen und freie Reserve sollte das Laufwerk größer geplant werden.

Daueraufnahme: Speicher pro Kamera

Ø BitratePro Tag7 Tage30 Tage
1 Mbit/s10,8 GB75,6 GB324 GB
2 Mbit/s21,6 GB151,2 GB648 GB
4 Mbit/s43,2 GB302,4 GB1,30 TB
8 Mbit/s86,4 GB604,8 GB2,59 TB
12 Mbit/s129,6 GB907,2 GB3,89 TB

Die Tabelle gilt für eine Kamera, die 24 Stunden am Tag mit der genannten durchschnittlichen Bitrate aufzeichnet. Bei variabler Bitrate kann der reale Verbrauch je nach Bewegung, Bildrauschen und Beleuchtung deutlich schwanken.

Warum die Auflösung allein wenig über den Speicher sagt

Eine 4K-Kamera hat keinen festen Speicherverbrauch. Zwei Kameras mit derselben Auflösung können völlig unterschiedliche Datenmengen erzeugen. Einfluss haben unter anderem:

Für die Speicherplanung ist deshalb die tatsächlich konfigurierte oder gemessene Bitrate wesentlich aussagekräftiger als die Auflösung allein.

Wie viel Speicher brauchen 4 Kameras?

Bei vier Kameras mit jeweils durchschnittlich 4 Mbit/s entstehen ungefähr 172,8 GB pro Tag:

Ein nominelles 6-TB-Laufwerk wäre für dieses vereinfachte 30-Tage-Beispiel ein möglicher Ausgangspunkt. Planen Sie aber nicht die komplette Nennkapazität ein. Formatierung, Systemdateien und Lastspitzen brauchen ebenfalls Platz.

Wie viel Speicher brauchen 8 Kameras?

Bei denselben 4 Mbit/s pro Kamera verdoppelt sich der Tagesverbrauch auf ungefähr 345,6 GB:

Genau deshalb sollten Kamerazahl und gewünschte Aufbewahrungsdauer immer gemeinsam geplant werden. Verdoppeln Sie die Anzahl vergleichbarer Kameras, verdoppelt sich grob auch der Speicherbedarf.

Wie wirkt sich Bewegungsaufzeichnung aus?

Bei einer ereignisgesteuerten Aufnahme kann der Speicherbedarf deutlich sinken. Zeichnet eine Kamera im Durchschnitt nur während 20 % des Tages auf, könnte der Verbrauch theoretisch ungefähr bei 20 % einer Daueraufnahme liegen.

In der Praxis sollten Sie diesen Anteil messen und nicht schätzen. Windbewegte Bäume, Straßenverkehr, Insekten vor der Linse oder schlecht abgestimmte Bewegungserkennung können eine vermeintliche Ereignisaufnahme fast in eine Daueraufnahme verwandeln.

Speicher mit Zeitplänen sparen

Wenn statt 24 Stunden nur 12 Stunden pro Tag aufgezeichnet werden, halbiert sich der zeitabhängige Speicherbedarf ungefähr. Für ein Büro, das nur außerhalb der Öffnungszeiten überwacht werden soll, ist das oft planbarer als eine reine Bewegungserkennung.

Zeitpläne haben noch einen Vorteil: Der Speicherverbrauch lässt sich relativ gut vorhersagen, selbst wenn im Bild viel Bewegung stattfindet.

Hauptstream oder Substream aufzeichnen?

Für Beweissicherung sollten Sie in der Regel den Hauptstream verwenden, weil er die bessere Bildqualität und mehr Details liefert. Der Substream ist meist für eine flüssige Vorschau oder den Fernzugriff gedacht und arbeitet mit geringerer Auflösung, Bildrate oder Bitrate.

Ein sinnvoller Aufbau ist deshalb häufig: Hauptstream lokal aufzeichnen, Substream für die Anzeige von unterwegs nutzen. Nur den Substream zu speichern spart zwar Platz, kann im entscheidenden Moment aber Details kosten.

Wie viel Reserve sollte auf der Festplatte bleiben?

Planen Sie nicht bis auf das letzte beworbene Gigabyte. Windows benötigt freien Platz für Updates, temporäre Dateien und Logs. Auch der Aufnahmeordner sollte nicht bis auf wenige Megabyte volllaufen.

Bei einem PC mit mehreren Kameras ist ein separates Aufzeichnungslaufwerk oft sinnvoll. Dadurch konkurrieren Windows, andere Programme und große Videodateien weniger stark um denselben Datenträger.

Den echten Verbrauch mit Security Eye messen

  1. Richten Sie die Kameras mit der gewünschten Auflösung, Bildrate und Aufzeichnungsart ein.
  2. Lassen Sie Security Eye mindestens 24 Stunden unter typischen Bedingungen laufen.
  3. Messen Sie anschließend, wie stark der Aufnahmeordner gewachsen ist.
  4. Wiederholen Sie den Test bei Außenkameras möglichst auch an einem bewegungsreichen Tag und in einer normalen Nacht.
  5. Verwenden Sie für die Planung lieber den höheren realistischen Tageswert.
  6. Multiplizieren Sie diesen Wert mit der gewünschten Aufbewahrungsdauer und fügen Sie Reserve hinzu.

Diese Messmethode berücksichtigt automatisch Ihre tatsächlichen Codecs, Bitraten, Lichtverhältnisse und Bewegungen. Sie ist deshalb verlässlicher als pauschale Tabellen nach dem Muster „1080p braucht immer X GB“.

Checkliste für die Speicherplanung

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